Wüstes Land

Wüstes Land

Wüstes Land, füllt sich immer wieder mit hoffnungsvollen
Wanderern, aus Erdteilen, Ländern, über deren breite Rücken
die Jäger schreiten, Afrika, Europa, Asien, Amerika, sie
ziehen durch mit großen Stiefeln wie durch die Geschichte,
den Krieg, den Frieden, den Konflikt und durch den Wald
- vor allem den Wald – der aufgeplatzten Erdkruste,
um in die Stadt jene Fackel zu tragen, die dort
einst brannte, die aber jemand irrtümlich
löschte, wobei die Lichter in allen Fenstern
der Stadt ausgingen, denn wenn man auch nur ein
Flämmchen mit Gewalt ausbläst, ist das
ein unverzeihliches Verbrechen, dem niemand
zustimmen sollte, sondern widerstehen, mit aller Macht,
so wie ein Vogel dem Jäger ins Handwerk pfuscht.
Die Gesetze der Natur sind einfach: Nur dem
wird der Weg gezeigt, der den Weg auch finden
will, und niemand zwingt dazu, den Weg zu finden:
Wie auskommen? Den Schritt verkürzen, langsamer
gehen, am Wegrand pflücken, was an Schönem dort
zu pflücken ist und den anderen ein paar Beeren übrig lassen?
Wäre das ein Anfang für die langsame Integration der Kontinente,
den Verlust der Nationalitäten, für ein Boot, das
oval im Alltag treibt und gegen einen Felsen prallt wie
gegen ein Land, nach dem es unbewusst gesucht hat, immer
unbewusst, weil Länder keine Grenzen haben, Kontinente
keine vorab festgelegten Strecken und Vögel nicht nur
eine richtige Zugroute: Drum sollte auch der Mensch an
die Tragkraft seiner Flügel glauben und den Schritt verkürzen.
Geschwindigkeit ist etwas, woran man sich gewöhnt,
das Auto muss die Zweihundert erreichen und die Spirale
dreht sich weiter, die Erdteile werden härter
und die Flaschen fliegen in höherem Bogen und schneller
in den Graben, und der Ort spielt keine Rolle mehr, denn
so geschieht es auf den Straßen von Lekki und Helsinki, die Natur
hat keinen Preis, auch keine Kilometerbeschränkungen, sie sind
vergebens auf den Schildern vermerkt, und die Räder des
Motorrads hämmern das Tempo in den grauen Morgen, der
Benzin in alle Wunden träufelt, worauf sie weiter eitern
und das kranke Gewebe wuchert und sich auf den Straßen ausbreitet,
wie Blaualgen in der Ostsee, und das Geschwür wird auch noch
kommen, die Nekrose, die toten Gesichter, der chinesische
Wanderarbeiter mit den schwierigen Arbeitsbedingungen, flüchtige
westliche Autos, ein kleiner Wink, abgefallene Vogelflügel
in der Luft, aus der die Insekten eins nach dem anderen langsam
zu Boden schweben, in einer Stille, wie nach einem Aufprall
oder einer langen, beendeten Reise

(Aus dem Band Elämää Lagoksessa – Leben in Lagos -, ntamo 2008)
veröffentlicht im oda, Ort der Augen 4/2011

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