Brief an eine Junge Dichterin

brief an eine junge dichterin

was dir wichtig ist darüber musst du sprechen
viel zu oft unterwerfen sie sich nicht den einflüssen
öffne dich öffne
lass dich öffnen
wörter enstehen aus dem verhältnis zu anderen menschen sie haben sonst
keine aufgabe
als mit den händen in den taschen durch cafés zu ziehen und unterbrochen zu werden
so entsteht ein gedanke

über eine neue freundin schrieb ich zwei worte
die art wie sie mich ansah
direkt in die augen als schaute sie nicht wir
oft habe ich mein geld gezählt
sie wollte nur einen kaffee und kaufte ihn ich hörte
die münzen klimpern
sie drehte sich um schaute wer da auftrat und etwas aufhob
mit zielstrebigen
schritten auf die kasse des cafés zu sie schrieb
in ihr notizbuch schwarz
weiß ist keine unverdorbene farbe mehr die tassen
auf dem tisch sie
hörten einander schauen oder gehen
eine vorübergehende frau
eine bescheidene tasse in der hand dampf
niemand denkt mehr an das wichtigste
sie ziehen umher die gut geformten beine
der frau
der verstand den nichts erstaunt die stifte
schleifen die tische durch
würde ich mich nur an den klaren morgen in zehn jahren erinnern
das heft spricht wenn die schuhe
auch klappern, kaffee ins lächeln trinken
er saß am ecktisch und blickte aus dem fenster
kälte kaum sichtbar
dampfender kaffee sie trinkt
gegen den hunger alles schaut zur seite und der stift
die frau hob ihren rock
bis zur wahrnehmung hätte es viele zentimeter gebraucht
auf jeden fall war der kaffee fast getrunken blätterte
die zeitung um niemand redete
nur sie beide darum
ging die bedienung mit sicheren schritten
sie hörte es an ihrem schritt die frau
lächelte vor sich hin sie war sicher rascheln
von papier
sie schauen verstohlen erfahrung
geteilt
stuhl, café irgendwo abgelegen sie saßen allein
ohne einander



Aus dem Band Aiheita van Goghin korvasta (Motive zu van Goghs Ohr), Ankkuri 2009

Aus dem Finnischen von Stefan Moster

veröffentlicht im Kalliope Heft 6

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