Gedichte auf Deutsch

In mir ist eine Lust

In mir ist eine Lust auf nachtlose Nächte, auf einen Tag,
der in die Höhe steigt, auf viele Sonnen, die gleichzeitig
aufgehen, in mir ist eine Lust auf Regen, fallend
wie ein Schleier. In mir ist eine Lust, aber
kein Wille, ich benutze einfache Werkzeuge, den Klang von
Hammer und Meißel in der finstersten Nacht. Als wäre man
mit den Schlägen auf etwas aus, auf eine Nacht, die sich
über die dunkle Wand legt,
auf Runenzeichen, auf einen Namen vielleicht.


(Aus dem Band Tuhansien portaiden lumo – Zauber von tausend Treppen -, Avain 2007)



Wüstes Land

Wüstes Land, füllt sich immer wieder mit hoffnungsvollen
Wanderern, aus Erdteilen, Ländern, über deren breite Rücken
die Jäger schreiten, Afrika, Europa, Asien, Amerika, sie
ziehen durch mit großen Stiefeln wie durch die Geschichte,
den Krieg, den Frieden, den Konflikt und durch den Wald
- vor allem den Wald – der aufgeplatzten Erdkruste,
um in die Stadt jene Fackel zu tragen, die dort
einst brannte, die aber jemand irrtümlich
löschte, wobei die Lichter in allen Fenstern
der Stadt ausgingen, denn wenn man auch nur ein
Flämmchen mit Gewalt ausbläst, ist das
ein unverzeihliches Verbrechen, dem niemand
zustimmen sollte, sondern widerstehen, mit aller Macht,
so wie ein Vogel dem Jäger ins Handwerk pfuscht.
Die Gesetze der Natur sind einfach: Nur dem
wird der Weg gezeigt, der den Weg auch finden
will, und niemand zwingt dazu, den Weg zu finden:
Wie auskommen? Den Schritt verkürzen, langsamer
gehen, am Wegrand pflücken, was an Schönem dort
zu pflücken ist und den anderen ein paar Beeren übrig lassen?
Wäre das ein Anfang für die langsame Integration der Kontinente,
den Verlust der Nationalitäten, für ein Boot, das
oval im Alltag treibt und gegen einen Felsen prallt wie
gegen ein Land, nach dem es unbewusst gesucht hat, immer
unbewusst, weil Länder keine Grenzen haben, Kontinente
keine vorab festgelegten Strecken und Vögel nicht nur
eine richtige Zugroute: Drum sollte auch der Mensch an
die Tragkraft seiner Flügel glauben und den Schritt verkürzen.
Geschwindigkeit ist etwas, woran man sich gewöhnt,
das Auto muss die Zweihundert erreichen und die Spirale
dreht sich weiter, die Erdteile werden härter
und die Flaschen fliegen in höherem Bogen und schneller
in den Graben, und der Ort spielt keine Rolle mehr, denn
so geschieht es auf den Straßen von Lekki und Helsinki, die Natur
hat keinen Preis, auch keine Kilometerbeschränkungen, sie sind
vergebens auf den Schildern vermerkt, und die Räder des
Motorrads hämmern das Tempo in den grauen Morgen, der
Benzin in alle Wunden träufelt, worauf sie weiter eitern
und das kranke Gewebe wuchert und sich auf den Straßen ausbreitet,
wie Blaualgen in der Ostsee, und das Geschwür wird auch noch
kommen, die Nekrose, die toten Gesichter, der chinesische
Wanderarbeiter mit den schwierigen Arbeitsbedingungen, flüchtige
westliche Autos, ein kleiner Wink, abgefallene Vogelflügel
in der Luft, aus der die Insekten eins nach dem anderen langsam
zu Boden schweben, in einer Stille, wie nach einem Aufprall
oder einer langen, beendeten Reise

(Aus dem Band Elämää Lagoksessa – Leben in Lagos -, ntamo 2008)



Der letzte Melancholiker


Schwarze Galle fließt in ihm, das macht ihn zur dunklen, düsteren Gestalt wie der Tod selbst, jeden Tag sitzt er im Restaurant, ohne jemanden zu sehen, ohne mehr zu sehen als sein Skizzenbuch, dessen Seiten vollgesudelt sind mit Wörtern, Noten oder Bildern, er
ist in seine Aufzeichnungen vertieft wie in einen Gesprächspartner, den er nicht hat, unablässig verziert er die feinen Fasern des Papiers, blickt zwischenzeitlich auf,
zum Paar am Nebentisch, er
küsst nur auf Papier, das Papier, er weiß, was es bedeutet, gefangen aber frei zu sein,
er ist schwarz, aber auch weiß, er ist kein Motiv an einer Wand im Louvre,
sondern ein lebendiges Wesen auf zwei Beinen in einem Restaurant in Chiado, er gibt
einem vorbeigehenden Rauschgiftsüchtigen eine kleine Münze, denn zu einer
anderen Zeit hätte er das sein können, an der Glória-Treppe hat er Mitleid
mit einem Akkordeon spielenden Zigeunerjungen und lässt eine Münze in
dessen Hut fallen, den ein klitzekleiner Hund ganz fest zwischen
den Zähnen hält, er lässt den Stift unablässig auf dem Papier kreisen,
könnte der Stift Feuer auf dem Papier entfachen, fleckten
die Flammen längst an der Decke, er zieht täglich seine Kreise
durch dieselben Viertel, trifft die gleichen Menschen, er könnte
sich auch anders entscheiden, aber das will er nicht, er
ist zufrieden mit seinem Leben, das aus dem Umdrehen von
Steinen besteht, der Suche nach Geheimnissen in Nischen,
er weiß, dass seine Arbeit nicht vergeblich ist, auch
wenn er womöglich nicht so lebt, wie
das Leben aufgefasst wird von den
bürgerlichen Wesen, die am Restaurant
vorbei gehen, in dem er sitzt,
die Passanten,
von deren Unsichtbarkeit
er schreibt,
Tag für Tag
die gleichen Verse,
ohne Anflug von Trost



veröffentlicht im Matrix 4/2009

Übersetzungen von Stefan Moster

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